Das Stammkapital ist nicht mit dem Gesellschaftsvermögen zu verwechseln, das Stammkapital stellt eher eine Art Haftungsfond für den Gläubiger dar

7. September 2015 Aus Von

Das Stammkapital ist ein Teil des Gesellschaftsvermögens. Es dient der Aufbringung und Unterhaltung des Gesellschaftsvermögens und zwar als Ersatz für die fehlende persönliche Haftung der Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Bei der Gründung der Gesellschaft ist das Stammkapital das Mindestanfangsvermögen, das die Gesellschafter auf ihre Stammeinlagen zu leisten haben. Jeder Gläubiger kann sich durch Einsichtnahme ins Handelsregister informieren, wie hoch das satzungsmäßige Stammkapital der Gesellschaft ist.

Mithin ist das Stammkapital eine rechnerische Grenze, unterhalb der das Gesellschaftsvermögen durch Leistungen an die Gesellschafter nicht geschmälert werden darf. Insbesondere darf es nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet werden. Unter dem Begriff des Stammkapitals ist nicht Kapital im kredit- oder betriebswirtschaftlichen Sinne zu verstehen. Der Begriff ist auch nicht identisch mit dem betriebswirtschaftlichen Begriff des Eigenkapitals der Gesellschaft. Dieses kann sich ständig verändern. Selbst der Verlust des gesamten Eigenkapitals oder der Eintritt einer Überschuldung berührt den Stammkapitalbetrag als solchen formell nicht. In der Bilanz wird das Stammkapital auf der Passivseite als „gezeichnetes Kapital“ aufgeführt.

Bis auf den vom Gesetz vorgeschriebenen Mindestbetrag von 25.000 € steht die Bestimmung der Höhe des Stammkapitals im freien Ermessen der Gesellschafter. Eine Pflicht zur Festsetzung eines dem Geschäftszweck und Geschäftsumfang angemessenen Stammkapitals besteht nicht. Das Stammkapital ist der Betrag, der den Gläubigern im Insolvenzfall mindestens zur Verfügung stehen muss. Damit das Stammkapital für den Insolvenzfall aufbewahrt wird, ist das Gesetz auf die Kapitalerhaltung bedacht.

Ziel einer jeden unternehmerischen Tätigkeit ist es, das eingesetzte Kapital durch Gewinne zu vergrößern. Alle Vermögenswerte und der Kapitalbestand bilden das Gesellschaftsvermögen. Das Stammkapital ist Teil davon.

Betriebswirtschaftlich ist das Gesellschaftsvermögen das gesamte Aktivvermögen abzüglich der Summe aller Verbindlichkeiten, einschließlich Rückstellungen, aber ohne Rücklagen, in seinem rechnerischen Wert. Das Nettovermögen ist in einer Bilanz zu ermitteln. Ergibt sich ein Jahresüberschuss, haben die Gesellschafter bei entsprechender Beschlussfassung Anspruch auf Auszahlung. Die Verteilung des Gewinns erfolgt nach dem Verhältnis der Geschäftsanteile.

Fährt die Gesellschaft jedoch Verluste ein und ergibt sich aus der Jahresbilanz oder aus einer im Laufe des Geschäftsjahres erstellten Bilanz, dass die Hälfte des Stammkapitals verloren ist, muss der Geschäftsführer unverzüglich die Gesellschafterversammlung einberufen. Der Verlust muss so beschaffen sein, dass die Aktiva der Gesellschaft auf mindestens die Hälfte des Stammkapitals verringert wurden.

Stellt der Geschäftsführer eine Überschuldung oder gar Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft fest, ist er verpflichtet, binnen drei Wochen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft zu beantragen. Er kann die Insolvenz abwenden, wenn er satzungsgemäß von den Gesellschaftern Nachschüsse einfordern kann oder die Gesellschafter der Gesellschaft Darlehen gewähren. Zur Beseitigung der bilanziellen Überschuldung kommt auch die Kapitalherabsetzung in Betracht.