Die Geschäftsführung vertritt die Gesellschaft auch nach außen in Form von Rechtsbeziehungen gegenüber Dritte. Dies beginnt bereits mit der Anmietung von Geschäftsräumen.

7. September 2015 Aus Von

Der Geschäftsführer einer GmbH ist als Organ der Gesellschaft deren Sprachrohr nach außen. Ohne Geschäftsführer ist die GmbH selbst handlungsunfähig, also sprachlos. Die Gesellschafter sind nicht vertretungsberechtigt. Will die Gesellschaft mit Dritten Rechtsgeschäfte tätigen, kann nur der Geschäftsführer handeln. Sein Handeln wird der Gesellschaft zugerechnet. Im Innenverhältnis muss sich der Geschäftsführer gegenüber den Gesellschaftern als den Anteilseignern der Gesellschaft verantworten. Die Gesellschafter können ihrem Geschäftsführer intern Weisungen erteilen, wie er die Geschäfte zu führen hat.

Möchte die Gesellschaft also beispielsweise Geschäftsräume anmieten, kann nur der Geschäftsführer den Mietvertrag unterzeichnen. Unterzeichnet ein Gesellschafter, wird der Vertrag nur wirksam, wenn ihn der Geschäftsführer nachträglich genehmigt. Die Genehmigung kann ausdrücklich oder schlüssig durch den Einzug in die Räumlichkeiten erfolgen.

Für den Geschäftsführer beinhaltet sein Handeln ein gewisses Risiko, insbesondere wenn er in der Vorgründungsphase der Gesellschaft handelt. Die GmbH entsteht nämlich erst mit der Eintragung ins Handelsregister. Vor der Eintragung besteht die GmbH als solche nicht. Bis zum Abschluss des notariellen GmbH-Gesellschaftsvertrages entsteht durch die formlose Gründungsabsprache der Gesellschafter eine sogenannte Vorgründungsgesellschaft. In diesem Stadium haftet immer derjenige, der handelt. Dies kann der Gesellschafter, aber auch der künftige Geschäftsführer sein. Ihr Handeln wird die Gesellschaft zunächst nicht zugerechnet. Der Handelnde ist persönlich verantwortlich.

In der nächsten Phase entsteht mit dem notariellen Abschluss des Gesellschaftsvertrages bis zur Eintragung der GmbH ins Handelsregister eine sogenannte Vor-GmbH oder Vorgesellschaft. Die Vorgesellschaft ist unbeschränkt handlungsfähig und kann Trägerin von Rechten und Pflichten sein. Sie kann also auch Geschäftsräume anmieten. Nach außen handelt sie durch ihren Geschäftsführer. Sofern vor der Eintragung der GmbH ins Register im Namen der Gesellschaft Geschäfte getätigt werden, haften die handelnden Personen den Gläubigern bis zur Eintragung der GmbH ins Handelsregister persönlich und gemeinsam (§ 11 II GmbHG). Mit der Eintragung der GmbH erlischt dieser Haftung. Dann ist die Gesellschaft in der Verantwortung.

Handelnde in diesem Sinne sind nur die Geschäftsführer oder Personen, die wie ein faktischer Geschäftsführer auftreten. Gesellschafter sowie Prokuristen sind nicht verantwortlich, auch wenn sie der Handlung zugestimmt haben. Bei Dauerschuldverhältnissen wie einem Mietvertrag haftet der Handelnde nur für diejenigen Verbindlichkeiten, die in der Zeit vor der Eintragung entstanden sind. Nimmt ein Gläubiger den handelnden Geschäftsführer in Anspruch, hat er gegen die Vor-GmbH und nach der Eintragung ins Register gegen die GmbH einen Erstattungsanspruch. In der Praxis übernimmt die dann entstandene GmbH regelmäßig die Haftung und entlastet insoweit ihren Geschäftsführer.

Diese Handelndenhaftung erfasst auch die Vorratsgesellschaft vor der Eintragung der Änderung des Unternehmensgegenstandes im Handelsregister. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Handelnde für die GmbH oder im Namen der Vor-GmbH auftritt.

Da dieses Risiko vorwiegend mit der Neugründung einer GmbH einhergeht, lässt es sich leicht vermeiden, wenn Unternehmensgründer eine bestehende GmbH kaufen oder eine Anteilsübernahme möglich ist. Für denjenigen, der eine Gesellschaft verkaufen möchte, kann dies ein besonderes Verkaufsargument darstellen.