Was bedeutet die faktische Geschäftsführung?

7. September 2015 Aus Von

Der von der Gesellschafterversammlung bestellte Geschäftsführer ist der gesetzliche Vertreter der GmbH. Sein Handeln wird der Gesellschaft zugerechnet. Neben diesem formalen Geschäftsführer gibt es in der Praxis aber auch den faktischen Geschäftsführer.

Faktischer Geschäftsführer ist eine Person, die nicht förmlich als Geschäftsführer der GmbH bestellt ist, dennoch aber in maßgeblichem Umfang Geschäftsführungsfunktionen übernimmt, so wie sie nach Gesetz und Gesellschaftsvertrag für einen formal bestellten Geschäftsführer kennzeichend sind. Dies gilt auch dann, wenn neben ihm ein förmlich bestellter Geschäftsführer in begrenztem Umfang Geschäftsführungstätigkeiten ausübt.

Anlass für eine rein faktische Geschäftsführung ist oft, dass die betreffende Person wegen einer Insolvenzstraftat bereits vorbelastet ist, nach außen hin nicht direkt als offzieller Geschäftsführer in Erscheinung treten möchte oder aus anderen Gründen als formaler Geschäftsführer nicht in Betracht kommt.

Die Einzelheiten dessen, was die faktische Geschäftsführung ausmacht, sind teils umstritten und Gegenstand höchstrichterlicher Entscheidungen (BGH II ZR 113/03; II ZR 235/03).

In der Praxis erweist sich der formal bestellte Geschäftsführer meist als Strohmann. Er handelt oft nur als Marionette des faktischen Geschäftsführers und damit des eigentlichen Entscheidungsträgers in der Gesellschaft. Dieser trifft die Entscheidungen, die der formale Geschäftsführer rechtlich allerdings gleichermaßen zu vertreten und zu verantworten hat.

Dies zeigt sich beispielsweise immer wieder in Insolvenzfällen. Versäumt der formale Geschäftsführer die rechtzeitige Insolvenzantragstellung, weil er die faktische Geschäftsführung dem faktischen Geschäftsführer überlassen und keinen Überblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse hat, macht er sich strafbar. Er kann sich nicht damit herausreden, dass der faktische Geschäftsführer eigentlich für die Führung der Geschäfte verantwortlich gewesen sei. Gleichfalls ist aber auch der faktische Geschäftsführer strafrechtlich verantwortlich und haftet neben dem formalen Geschäftsführer wegen der Verletzung der Insolvenzantragspflicht.

In der Rechtspraxis entscheiden die Umstände, wann im Einzelfall eine Person als faktischer Geschäftsführer in die Verantwortung genommen wird. Nach der BGH-Rechtsprechung kommt es auf das Gesamterscheinungsbild seines Auftretens an. Es ist nicht erforderlich, dass die handelnde Person die gesetzliche Geschäftsführung völlig verdrängt. Entscheidend ist vielmehr, dass diese Person die Geschicke der Gesellschaft durch eigenes Handeln im Außenverhältnis maßgeblich in die Hand genommen hat und den Eindruck erweckt, er sei der formale Geschäftsführer.

Maßgebliche Kriterien können die Führung des wesentlichen kaufmännischen und finanziellen Geschäftsbereichs sein, die fortlaufende alleinige Verfügung über die Geschäftskonten, die Führung der Buchhaltung, die Entscheidung in Personalangelegenheiten oder die Erteilung von Weisungen gegenüber dem satzungsgemäßen Geschäftsführer auf dem Gebiet der Unternehmenspolitik und -organisation.

Angesichts der persönlichen Verantwortung des formalen Geschäftsführers ist es unverantwortlich, Geschäftsführungsmaßnahmen aus der Hand zu geben und Dritte die Geschicke der GmbH lenken zu lassen. Die Risiken sind enorm.