Welche Pflichten trägt der Geschäftsführer gegenüber der Gesellschaft einer GmbH?

7. September 2015 Aus Von

Der GmbH-Geschäftsführer ist der gesetzliche Vertreter der Gesellschaft. Damit ist eine besondere Verantwortung verbunden. Sie ist derer vergleichbar, die Eltern für ihre Kinder oder Vormünder für ihre Mündel ausüben.

Zwar ist das Amt eines GmbH-Geschäftsführers kein Lehrberuf. Wer das Amt übernimmt, benötigt jedoch unabdingbar eine gewisse Kompetenz. Nur dann lässt sich das Instrumentarium an Handlungsmöglichkeiten, aus denen sich Rechte und vor allem Pflichten für den Geschäftsführer ergeben, halbwegs überblicken und die Amtsübernahme gegenüber der Gesellschaft und gegenüber der eigenen Person verantworten.

Diese Verantwortung zeigt sich bereits bei der Gründung. Ohne Bestellung eines Geschäftsführers kann die GmbH zwar gegründet, aber nicht ins Handelsregister eingetragen werden. Gemäß § 43 GmbHG hat der Geschäftsführer sein Amt mit der „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes“ auszuüben. Verletzt er diese Obliegenheit, haftet er gegenüber der Gesellschaft für den entstandenen Schaden. Aus dieser allgemeinen Vorgabe ergeben sich eine Reihe von Pflichten, die das GmbH-Gesetz selbst und die Rechtsprechung konkretisiert haben.

Macht der Geschäftsführer bei Gründung der Gesellschaft oder bei einer Kapitalerhöhung unrichtige Angaben, haftet er für fehlende Einzahlungen. Übersieht er, eine Vergütung oder einen Kostenfaktor in den Gründungsaufwand aufzunehmen, muss er diesen der Gesellschaft ersetzen.

Riskant sind Bargründungen und verschleierte Sachgründungen. Zwar erbringen die Gesellschafter bei der Bargründung ihre Einlagen in bar. Diese fließen jedoch unmittelbar nach der Gründung an die Gesellschafter wieder zurück. Oder wird einem Gesellschafter ein Anlagegegenstand abgekauft, handelt sich meist um eine verschleierte Sachgründung, der der scheinbare Mantel einer Bargründung umgehängt wird. Rechtlich gesehen, ist die Bareinzahlung, obwohl sie scheinbar geleistet wurde, tatsächlich als nicht geleistet anzusehen und muss nachgeholt werden. Der Geschäftsführer muss die GmbH dann auch ohne eigenes Verschulden so stellen, wie sie bei richtigen Angaben wirtschaftlich stehen würde.

Das Gesetz konkretisiert diese Sorgfaltspflichten und verpflichtet den Geschäftsführer insbesondere dann zum Schadensersatz, wenn er aus dem Stammkapital Auszahlungen an die Gesellschafter tätigt (Gebot der Kapitalerhaltung) oder gesetzeswidrig für die Gesellschaft eigene Geschäftsanteile erwirbt, auf die die Einlagen noch nicht vollständig geleistet sind. Gleiches gilt, wenn er aus dem Gesellschaftsvermögen sich selbst oder einem Mitgeschäftsführer oder einem anderen Entscheidungsträger in der Gesellschaft Kredite gewährt und dabei das Stammkapital angreift.

Da sich viele Gesellschaften mit einer nur geringen Eigenkapitalquote über Wasser halten, sind sie ständig von der Insolvenzgefahr bedroht. Tätigt der Geschäftsführer Zahlungen, obwohl die GmbH bereits zahlungsunfähig oder überschuldet war, muss der Geschäftsführer dem die Gesellschaft vertretenden Insolvenzverwalter diese Beträge ersetzen (§ 64 GmbHG). Ein Verschulden wird vermutet. Sollte er unverschuldet gehandelt haben, kann er sich in Ausnahmefällen entlasten.