Welche Situation tritt auf, wenn das Vermögen einer GmbH unter das gezeichnete Stammkapital sinkt?

7. September 2015 Aus Von

Sinkt das Gesellschaftsvermögen einer GmbH unter den Nennbetrag des gezeichneten Stammkapitals, sollten beim GmbH-Geschäftsführer die roten Lampen aufleuchten. Regelmäßig befindet sich eine Gesellschaft in einer wirtschaftlich schwierigen Phase und dürfte in der Mehrzahl der Fälle von der Insolvenz bedroht sein. Das GmbH-Gesetz gibt in dieser Situation mehrere Handlungsmöglichkeiten vor. Wer diese kennt, kann oft Schlimmeres verhindern.

Stellt der Geschäftsführer in der Jahresbilanz oder aus einer im Laufe des Geschäftsjahres erstellten Bilanz fest, dass die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals verloren ist, muss er die Gesellschafterversammlung unverzüglich einberufen (§ 49 III GmbHG). Hat der Geschäftsführer den Verdacht, dass die Hälfte seines Stammkapitals verloren ist, muss er eine Zwischenbilanz erstellen. Ist der Verlust offensichtlich, kommt es auf die Erstellung einer Bilanz nicht an.

Eine derartige Verlustsituation ist anzunehmen, wenn die Aktiva der Gesellschaft auf mindestens die Hälfte der Stammkapitals verringert wurden. Auf seine absolute Höhe kommt es nicht an (BGH NJW 1958, 1417). Liegen diese Voraussetzungen vor, muss der Geschäftsführer die Versammlung „unverzüglich“ also ohne „schuldhaftes Zögern“ einberufen. Diese Frist bezieht sich nicht nur auf die Einladung, sondern auch auf den Versammlungstermin.

Stellt der Geschäftsführer die Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft fest, muss er spätestens drei Wochen danach die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft beantragen. Das Insolvenzverfahren muss aber nicht die letzte Konsequenz darstellen. Dem Geschäftsführer und den Gesellschaftern verbleiben Handlungsalternativen, um die Gesellschaft vielleicht doch noch zu retten.

Der einfachste Weg besteht darin, der Gesellschaft neues Eigenkapital, etwa im Wege einer Kapitalerhöhung, zur Verfügung zu stellen. In Betracht kommt auch die Einforderung von Nachschüssen, soweit der Gesellschaftsvertrag diese vorsieht sowie die Gewährung von Gesellschafterdarlehen. Gesellschafterdarlehen müssen allerdings mit einer Rangrücktrittserklärung verbunden werden, mit dem Inhalt, dass das Darlehen an den Gesellschafter erst zurückgezahlt werden kann, wenn es die Gewinnsituation der Gesellschaft erlaubt.

Eine weitere sinnvolle Alternative besteht in der Kapitalherabsetzung (§§ 58, 58a GmbHG). Vor allem die vereinfachte Kapitalherabsetzung bezweckt die Sanierung notleidender Gesellschaften. Der Vorteil gegenüber der regulären Kapitalherabsetzung besteht darin, dass die Gesellschaft alle Maßnahmen der Kapitalherabsetzung sofort durchführen kann, ohne das Sperrjahr und andere Gläubigerschutzvorschriften berücksichtigen zu müssen. Allerdings ist die Gesellschaft in der Folge einer Beschränkung der Ausschüttungsfähigkeit des Kapitals unterworfen. Zur Kapitalherabsetzung bedarf es einer Satzungsänderung.

Vorteilhaft ist, dass das Gesetz es sogar erlaubt, das Kapital unter den Mindestbetrag von 25.000 € herabzusetzen, wenn der Mindestbetrag durch eine Kapitalerhöhung wieder erreicht wird, die zugleich mit der Kapitalherabsetzung beschlossen wird und bei der keine Sacheinlagen festgesetzt werden. Voraussetzung ist, dass der Beschluss binnen drei Monaten in das Handelsregister eingetragen wird.