Wie wichtig ist der Firmensitz einer GmbH?

4. September 2015 Aus Von

Jeder sollte ein Zuhause haben. Auch eine GmbH. Der Ort, an dem die Gesellschaft zu Hause ist, ist ihr Sitz. Die Bestimmung des Sitzes der GmbH gehört neben der Angabe der Firma und des Gegenstandes des Unternehmens zu den Identifikationsmerkmalen des Unternehmens. Fehlt die Sitzbestimmung, kann der Vertrag nicht beurkundet werden.

Grundsätzlich können die Gesellschafter der GmbH den Sitz ihrer Gesellschaft frei wählen. Am Sitz der Gesellschaft muss sich weder notwendigerweise der Betrieb noch die Verwaltung befinden. Lediglich dann, wenn das Registergericht der Auffassung ist, es handele sich um einen rein fiktiven Sitz, kann es die Sitzbestimmung beanstanden und die Eintragung in das Handelsregister ablehnen. Als Sitz der GmbH ist im Gesellschaftsvertrag wahlweise der Ort zu bestimmen, an dem die Gesellschaft einen Betrieb führt oder an dem sich die Geschäftsleitung befindet oder an dem die Verwaltung geführt wird.

Ungeachtet dieser rechtlichen Vorgaben will der Geschäftsverkehr verständlicherweise wissen, wo die GmbH als Geschäftspartner ihren Sitz hat. Es versteht sich von selbst, dass eine Firma, die ihren Sitz im Ausland, in extremen Fällen beispielsweise auf den Bahamas oder Cayman Inseln hat, nicht besonders vertrauenswürdig erscheint. Ein Sitz innerhalb der Europäischen Union ist jedoch nichts Außergewöhnliches mehr. In europäischen Binnenmarkt ist der Sitz in einem EU-Staat Ausdruck der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit.

Der Sitz muss insbesondere im Schriftverkehr ausdrücklich bezeichnet werden. Nur so ist gewährleistet, dass die Gesellschaft für Dritte, seien es Behörden oder Geschäftspartner, erreichbar ist und auch formale Zustellungen möglich sind. Im Übrigen bestimmt der Sitz den Gerichtsstand im Falle von Rechtsstreitigkeiten und ist maßgebend, welches Insolvenzgericht im Fall einer Insolvenz der GmbH zuständig ist. Soweit die Gesellschaft ihre Geschäfte anderswo erledigt, ändert dies an diesen Gegebenheiten nichts.

Will die Gesellschaft Vorteile nutzen, die sich aus einer geringen Gewerbesteuerveranlagung ergeben, muss sie ihren Sitz in die betreffende Gemeinde verlegen, die entsprechende Gewerbesteuerssätze anbietet.

Wird die GmbH verkauft, steht es dem Erwerber als dem neuen Gesellschafter frei, den Sitz nach Belieben zu verlegen. Dazu bedarf es des Beschlusses der Gesellschafterversammlung. Der Beschluss ändert den Gesellschaftsvertrag und muss auf notariellem Weg dem zuständigen Handelsregister mitgeteilt werden.