Zugriff auf das GmbH-Vermögen bei Rechtsanspruch seitens Dritter: Welche Maßnahmen sind durch den Gläubiger einzuleiten?

7. September 2015 Aus Von

Im Idealfall werden Rechnungen umgehend nach Erhalt bezahlt. Muss der Gläubiger jedoch mahnen oder erbittet der GmbH-Geschäftsführer Zahlungsaufschub oder beanstandet er die Rechnung oder mit offensichtlich unsachlichen Gründen die berechnete Leistung, deuten sich Zahlungsschwierigkeiten an. Dann sollte ein Gläubiger genau überlegen, was er tut. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.

Soweit ein persönliches Gespräch möglich ist, kann im günstigsten Fall offen über das Problem gesprochen und vielleicht über den Weg einer Zahlungsregelung eine Lösung herbeigeführt werden. Ist ein direktes Gespräch nicht möglich, führt an einer formellen Mahnung kaum ein Weg vorbei. Zwar sind Rechnungen spätestens 30 Tage nach Zugang fällig. Dennoch macht es wenig Sinn, sofort den Gerichtsweg zu beschreiten. Auch hier sollte bei begründeten Zweifeln an der Zahlungsfähigkeit eine Zahlungsregelung angeboten werden.

Soweit der Gläubiger Sicherheiten besitzt (Sicherungsübereignung eines Warenlagers, Grundschuld, Bürgschaft, Forderungsabtretungen) kann er versuchen, über diesen Weg zunächst zumindest Druck auf den GmbH-Geschäftsführer auszuüben und die Verwertung der Sicherheit anzudrohen. Liegen keine Sicherheiten vor, könnte der Gläubiger zumindest nach dem Gesetz und aufgrund des bestehenden Verdachts der Zahlungsunfähigkeit der GmbH Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht stellen.

Soweit der dafür erforderliche Kostenvorschuss die Forderung übersteigt, riskiert der Gläubiger, dem gutem Geld weiteres Geld hinterherzuwerfen. Außerdem muss er wissen, dass er mit einem Insolvenzantrag die GmbH unter Umständen zusätzlich auf einen Weg zwingt, der in vielen Fällen in der Katastrophe endet. Diese Katastrophe besteht darin, dass die GmbH endgültig sämtliche Zahlungen einstellt. Die meisten Insolvenzanträge werden mangels Masse ohnehin abgewiesen. Dann ist die Forderung endgültig verloren.

Ein Insolvenzantrag macht nur Sinn, wenn der Gläubiger damit rechnen darf, dass er auf diesem Wege seine Forderung eintreiben kann. Aber auch dann kommt er letztlich nur zum Erfolg, wenn er die Forderung zuvor tituliert hat. Eine titulierte Forderung ist eine Forderung, die in einem Mahn- und Vollstreckungsbescheid oder in einem Gerichtsurteil dokumentiert ist. Sie wird im Insolvenzverfahren gegenüber nicht titulierten Forderungen vorrangig befriedigt. Andere Gläubiger gehen regelmäßig leer aus. Auch soweit die Forderung durch eine Sicherheit gedeckt ist, wird der Gläubiger vorrangig befriedigt.

Viele Gläubiger geben sich der Hoffnung hin, dass sie mit der frühzeitigen Einleitung eines Insolvenzverfahrens Vermögenswerte der GmbH bewahren könnten. In bestimmten Fällen ist dies sicherlich richtig. Im Regelfall dürfte es angesichts der Erfahrungen in der Praxis aber so sein, dass damit jegliche Perspektive der GmbH endgültig zerstört wird und der Gläubiger damit auch die eigene Situation eher verschlechtert.

Alles in allem: Ein Insolvenzverfahren ist eine zweischneidige Angelegenheit. Es ist eine scharfe Waffe, führt aber oft dazu, dass der Gläubiger einen reinen Phyrrussieg einfährt, in dem seine Verluste höher sind als das, was er vielleicht erreicht.